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Jahresrückblick 2006

Haben Sie schon einmal den Ausdruck „Pescaturismo“ gehört?

Ich kannte den Begriff bis zu diesen Sommer auch noch nicht!

Wie es der Zufall will, hatte ich mit meiner Familie und mit Freunden die Gelegenheit, diese Art von besonderem Ausflug kennen zu lernen. Von unserem Spaß und unserer Begeisterung soll nun berichtet werden......

Wir schrieben das Jahr 2006, als eine kleine deutsch-italienische Gruppe sich an einem herrlichen Sommermorgen im August auf den Weg zu einer besonderen Expedition machte.....

...die Autofahrt führte die Abenteurer in den Hafen von Marina di Grosseto....  

....und nach einem kurzen Fußmarsch mit anderen Abenteuerlustigen, die sich noch dazugesellten....

.....war das Fischerboot erreicht.

Der Besitzer des Bootes betreibt seit kurzer Zeit mit seiner Frau einen „Pescaturismo“. Was bedeutet dies? Eine kleine vorangemeldete Gruppe von Abenteurern, max. 8 Personen, fahren mit raus zum Fischfang. Die gefangen Fische werden direkt an Bord zubereitet und verzehrt.

Und auf geht’s!!! Langsam entfernt sich das Boot von der Küste. Erst mal muss man sich an das etwas wackelige Boot gewöhnen, aber alle sind guter Dinge und in gespannter Vorfreude dessen, was sie erwartet!

Tipp!!! Ich rate nur seefesten Personen an dieser Unternehmung teilzunehmen, denn nur so kann man den Tag auch wirklich genießen und natürlich auch das gute Essen, das einen erwartet!!!

Nun kommen wir zum eigentlichen Kern der Sache, nämlich zum Fischen selber.

Es werden 2 Typen von Netzen verwendet, ein feinmaschiges und ein grobmaschiges. Beide Arten von Netzen sind in großen Metallcontainer untergebracht und von dort aus werden sie langsam und mit viel Sorgfalt „zu Wasser gelassen“.

Ca. 3000 m von der Küste entfernt, wird das 1. Netz sorgfältig ausgelegt, denn es darf sich nicht verschlingen. Es handelt sich um das feinmaschige, 3 m breite und 800 m lange Netz. Der untere Teil des Netzes ist mit einem Bleiband beschwert, so dass es absinken kann.

Der obere Teil des Netzes dagegen hat eine Art Korkkordel, damit es oben schwimmt. Der Anfang und das Ende des Netzes wird mit je einer Boje gekennzeichnet.

An einem normalen Arbeitstag, ohne Touristen an Bord, kommen 3 Netze dieser Art zum Einsatz. Wenn es mit den Gästen an Bord rausgeht, wird nur ein Netz zu Demonstrationszwecken ausgelegt, der Kurzweil willen!

Ist das Netz ausgelegt, geht die Fahrt bis an die Stelle weiter, an der am Tag zuvor ein Netz ausgelegt wurde. An einem normalen Arbeitstag werden die 3 Netze vom Vortag eingeholt!

Über eine Winde wird das 800 m lange, feinmaschige Netz langsam hochgezogen. Durch die Beschaffenheit des Netzes besteht der Fang aus fast nur kleineren Fischen, (bis ca. 20 - 30 cm Länge) und kleinen Meerestieren.

Da die ganz Neugierigen auch ja nichts verpassen möchten, werden keine Mühen gescheut, eine geeignete Position für den Beobachtungsposten zu finden

Der Fischer hilft nun natürlich wieder fleißig mit, damit das Netz sich nicht verschlingt, verknotet oder verheddert.
Die großen Fische werden direkt aus dem Netz befreit......

....die kleineren Fische und das Meeresgetier werden mit dem Netz im Metallcontainern gesammelt, damit man dann während der Weiterfahrt nach und nach die Fische aus dem Netz befreien kann. Es ist eine ganz schöne „Fusselarbeit“ und es braucht seine Zeit!!!
Hier ein paar Beispiele der Beute: „Sogliola“ (zu deutsch Seezunge),......

........ „gamberetto“ (zu deutsch Garnele),.....

.... „dentice“ oder „fragolino“ (zu deutsch Zahnbrasse)..... sind dies nicht sondern eine "Triglia", (zu deutsch Meerbarbe oder Seebarbe)

......und verschiedene Meeresgetiere....... Natürlich sind noch jede Menge anderer Fischarten dabei, wie Tintenfisch, Goldbrasse, Seebarsch, Zahnbrasse u. v. m.

Kleine Krebse, wenn Sie unbeschadet befreit werden können, werden wieder dem Meer zugeführt.
Die fleißigen Helfer an Bord befreien nach und nach mühselig die Beute aus dem Netz und die Wanne füllt sich langsam aber sicher......

Während dessen entfernt sich der Fischkutter weiter und weiter von der Küste.
In ca. 5000 bis 8000 m Entfernung von der Küste wird nun das 2. Netz ausgelegt. Dieses mal handelt es sich um das Breitmaschige, mit dem man die größeren Fische zwischen ca.1,5 und ca. 3 kg fängt. Es ist ebenfalls 800 m lang, aber 11 m breit. Auch diesmal muss der Fischer natürlich höllisch aufpassen, dass das Netz ordentlich ins Wasser kommt und sich nicht verdreht und verheddert.

Auf interessante Art und Weise wird dieses Netz ausgelegt und zwar in weiten Schlangenlinien. So ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass mehr Fische ins Netz gehen. Beide Enden des Netzes werden auch diesmal mit einer Boje gekennzeichnet. Der Grund hierfür ist, damit der Fischer sein Netz am nächsten Tag auch findet und vor allen Dingen jeder Fischer hat seine gekennzeichneten Bojen. Normalerweise wird an dieser Stelle dann das breitmaschige Netz vom Vortag eingeholt, mit Touristen an Bord wird darauf verzichtet, Sie wissen schon, der Kurzweil wegen!
Nun brauchen erst mal alle eine Stärkung. Es wird eine Kleinigkeit zum Essen serviert und wer will kann mit einem Schlückchen Prosecco, Saft oder Wasser anstoßen. Na denn Proooost oder „salute“, wie der Italiener sagt!!!

Weiter geht es bis zu den „Ameisen-Inseln“, die „Formiche“. Das ist eine Inselgruppe, die Marina di Grosseto vorgelagert ist. Lediglich ein Leuchtturm steht auf der größten der 3 Inseln.

 

Während das Bordpersonal und ein Tourist sich an den Netzen zu schaffen machen, um die Meeresgetiere und die Fische zu befreien,......

......vergnügen sich die “Nichthelfer“ schon einmal in dem kristallklaren Wasser – schließlich ist zuschauen und Bilder machen auch anstrengend !!!
Die Freude der fleißigen Helferin kennt keine Grenzen - es ist ein erhabenes Gefühl, dabei zu sein (Anmerkung des Autors: da ich diese fleißige Helferin sehr gut kenne, weiß ich, dass sie sehr „gebräuchlich“ ist und sich mehr als gerne nützlich macht!)

Die helfenden Hände sind wirklich gefragt, den der Ertrag ist stattlich!
Nun hat sich aber auch die fleißige Helferin ein erfrischendes Bad verdient.

In der Zwischenzeit laufen an Bord die Vorbereitungen für das Fischmenü auf vollen Touren und der Kapitän macht sich persönlich an den kleineren Fischen zu schaffen.
Von den vielen Fischen ist nur das Filet übriggeblieben, denn es gibt „Suschi“ auf italienisch.

An das „Suschi“ kommt lediglich Salz und Pfeffer dran.
Des Fischers Frau ist in der Zwischenzeit auch mit der Vorbereitung der Soße des Nudelgerichtes („Primo“) beschäftigt. Dazu werden die „canocchia“ oder auch „Cicale di Mare“ genannt (zu deutsch Heuschreckenkrebse) verarbeitet.

Es handelt sich um eine Art von Garnelen, mit kleinen Scheren und sie haben ein wirklich sehr intensives Aroma. Einfach lecker (Anmerkung von der fleißigen Helferin)!

Sie werden mit ein wenig Öl, Knoblauch, Zucchini und Wein zubereitet......
......und zum Schluss kommen noch passierte Tomaten hinzu. Das ganze wird mit „Fiocchi“ oder „Farfalle“ (Schmetterlingsnudeln) serviert.

Vor lauter Hunger, Appetit und Gier (des Fotografen natürlich oder kam er nicht dazu, da alle anderen sich so schnell draufstürzten!?!?) wurden die anderen Vorspeisen vergessen zu fotografieren. Ich will Sie Ihnen jedoch nicht vorenthalten! Da gab es zum einen ein „leckerliches“ Fischcarpaccio (frischer Fisch, der mit Zitronensaft gebeizt wird und das ganze wird mit Salz, Pfeffer, Olivenöl und feingeschnittenem Salat serviert) und zum anderen gab es „Acciughe sotto Pesto“ (Sardellen, die in grüner Soße eingelegt sind, bestehend aus gehackter Petersilie, Knoblauch, Peperoncino und Olivenöl – sehr pikant und seeeehhhhr gut!!!!!).
Nach diesen oben beschriebenen beiden Vorspeisen, machten wir uns an das Suschi (war das erste Mal für mich, dass ich rohen Fisch gegessen hatte und ich war begeistert!), dann an das köstliche oben beschriebene „Primo“.
Was ist ein italienisches Menü ohne den Hauptgang („Secondo“)! Da waren doch noch jede Menge Fische!!!!

An Bord gibt es einen Gasgrill mit einer großen Grillplatte. Dort liegen sie nun in Reih’ und Glied und nach perfekter Zubereitung durch den Chef persönlich ist es dann bald soweit.......!!!!
Jeder Fischliebhaber weiß, dass nichts über einen wirklich frisch gefangenen Fisch geht!

Nur nichts übriglassen lassen!!! Übrigens trinkt man an Bord ausschließlich Wasser und Prosecco - Fisch muss schließlich schwimmen ! Wer dann noch Hunger hat, kann noch heißen Käse (auf dem Grill geschmolzen) essen (auch nicht schlecht!) und als Nachspeise gibt es Wassermelone.
Leider hatten die „Nicht-Seefesten“ wenig von der Fahrt, wie auch von dem ausgezeichneten Essen. So möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass diese Art von Ausflug nur von denjenigen gemacht werden sollte, die auch wirklich seefest sind. Denn wer leidet schon gerne und muss dafür auch noch bezahlen!

Auch die Sonnencreme und eine Kopfbedeckung sollte nicht vergessen werden!!!!!

Es war ein gelungener und besonderer Tag – die Mädels sind zufrieden und es geht wieder zurück nach Marina di Grosseto. Das Meer war dann ziemlich bewegt und mir persönlich entlockte jede große Welle einen mehr oder weniger „kleinen“ Schreier ....!

Ich bin zwar seefest, aber ein wenig ängstlich! Sicher hatte ich mir für die Rückfahrt auch nicht unbedingt den besten Platz ausgesucht!?!?

Wieder daheim und festen Boden unter den Füssen. Alles in allem war es ein schöner Tag und zum Nachmachen zu empfehlen. Allerdings was das Vergnügen nicht ganz billig, aber man macht so einen Ausflug auch schliesslich nicht alle Tage!

Die übrigen Fische werden an Land oder an Restaurants verkauft. Jeden Morgen (so gegen 9:00 Uhr ist er von der Fahrt zurück) verkauft der Fischer so seinen Fang direkt am Hafen. Da uns der Ausflug so gut gefallen hatte und wir dem nicht so seefesten Freund doch noch die Gelegenheit geben wollten, das köstliche Menü auch zu probieren, haben wir an einem anderen Abend an Bord des Bootes das frische Mahl genossen. Denn das ist auf Vorbestellung auch möglich! Der „Pescaturismo“ wird von vielen Häfen aus betrieben, wie z. B. von Marina di Grosseto, Castiglione della Pescaia, Talamone......

...und Lust bekommen!?!?

Wir werden uns auf jeden Fall nächstes Jahr wieder so ein ausgezeichnete Fischmenü bei unserem Fischer gönnen!

Ihre 

Uschi Ipolt - Ustali        

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